Wie wird der DAX berechnet?
Hinter dem DAX-Kurs aktuell steckt eine festgelegte mathematische Methode. Diese Antwort erklärt, wie der Indexstand entsteht, was Kapitalisierungsgewichtung bedeutet und warum große Unternehmen den Index stärker bewegen.
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Der DAX-Kurs aktuell ist keine zufällige Zahl, sondern das Ergebnis einer festgelegten Berechnungsmethode. Wer versteht, wie dieser Wert entsteht, kann besser einordnen, was Schwankungen bedeuten und warum manche Unternehmen den Index stärker beeinflussen als andere.
Das Grundprinzip: ein gewichteter Durchschnitt
Der DAX ist ein kapitalisierungsgewichteter Index. Das bedeutet: Er fasst die Kurse aller enthaltenen Unternehmen zusammen, aber nicht jedes Unternehmen zählt gleich viel. Vielmehr richtet sich der Einfluss eines Unternehmens nach seiner Größe — genauer gesagt nach seiner Marktkapitalisierung. Ein großes Unternehmen bewegt den Index also stärker als ein kleines.
Man kann sich das wie eine Wippe vorstellen, auf der Personen unterschiedlichen Gewichts sitzen: Schwerere Personen bringen die Wippe stärker ins Schwanken. Im DAX gilt das Gleiche für große und kleine Unternehmen.
Was ist die Marktkapitalisierung?
Die Marktkapitalisierung ist der Börsenwert eines Unternehmens. Sie ergibt sich aus der Anzahl aller vorhandenen Aktien multipliziert mit dem aktuellen Aktienkurs. Wenn ein Unternehmen beispielsweise 100 Millionen Aktien ausgeben hat und jede Aktie an der Börse mit 50 Euro bewertet wird, beträgt die Marktkapitalisierung 5 Milliarden Euro.
Je höher diese Marktkapitalisierung, desto größer ist das Gewicht des Unternehmens im DAX. Unternehmen mit einer großen Marktkapitalisierung — also sehr großen Konzernen — kommt im Index eine führende Rolle zu.
Der Free-Float-Gedanke
In der Praxis wird für die Gewichtung im DAX nicht die gesamte Marktkapitalisierung herangezogen, sondern die sogenannte Streubesitz-Marktkapitalisierung, im Englischen Free Float genannt. Der Streubesitz umfasst nur die Aktien, die tatsächlich frei an der Börse handelbar sind und nicht fest in der Hand von Großaktionären liegen.
Dieser Gedanke verhindert, dass ein Unternehmen mit hohem Gesamt wert, aber wenigen frei handelbaren Aktien, den Index unverhältnismäßig stark dominiert. Die Free-Float-Regel macht den Index realistischer, weil sie die tatsächlich am Markt gehandelten Anteile berücksichtigt.
Wie der Indexstand zustande kommt
Aus den gewichteten Kursen aller Mitgliedsunternehmen wird ein Indexstand berechnet. Dieser Wert wird auf eine bestimmte Dezimalstelle genau angegeben und während der Handelszeiten fortlaufend aktualisiert. Jedes Mal, wenn sich der Preis einer enthaltenen Aktie ändert, verändert sich auch der berechnete Indexstand.
Zu Beginn der Berechnung wurde ein festgelegter Basiswert gesetzt. Seitdem misst der DAX die relative Veränderung gegenüber diesem Ausgangspunkt. Ein Stand von beispielsweise 15.000 Punkten bedeutet also nicht 15.000 Euro, sondern einen bestimmten Vielfachen des ursprünglichen Wertes.
Die Rolle des Dividenden- und Kapitalmaßnahmen-Anpassung
Wenn ein Unternehmen Dividenden zahlt oder seine Aktienstruktur verändert, würde der Index ohne Anpassung künstlich sinken. Deshalb wird die Berechnungsformel bei solchen Ereignissen korrigiert. Diese Anpassung sorgt dafür, dass nur echte Kursbewegungen, nicht aber ausschüttungsbedingte Sprünge, in den Index einfließen. Man spricht hier von der sogenannten Dividendenbereinigung.
Verwandte Teilfragen
Warum bewegt ein großes Unternehmen den DAX mehr als ein kleines?
Weil der DAX kapitalisierungsgewichtet ist. Ein Unternehmen mit hoher Marktkapitalisierung hat ein größeres Gewicht und verändert den Indexstand bei Kursschwankungen stärker.
Beeinflusst die Dividendenzahlung den DAX-Stand?
Im klassischen DAX (Kursindex) wird die Berechnungsformel beim Dividendentermin angepasst, sodass es zu keinem künstlichen Knick kommt. Eine eigene Variante, der Performance-Index, rechnet Ausschüttungen zusätzlich in die Entwicklung ein.
Zusammenfassung
Der DAX wird als kapitalisierungsgewichteter Index berechnet. Das bedeutet, dass die Größe eines Unternehmens — gemessen an der frei handelbaren Marktkapitalisierung — entscheidet, wie stark es den Index bewegt. Der Indexstand ist eine fortlaufend berechnete Kennzahl, die bei strukturellen Ereignissen wie Dividendenzahlungen angepasst wird, um unverzerrt zu bleiben.